Stillen fühlt sich schwer an und das darf es auch
Stillen wird oft romantisiert. Dieses Bild von einer entspannten Mama, einem friedlich trinkenden Baby, Sonnenlicht im Hintergrund und alles ist ruhig und harmonisch. Die Realität sieht für viele ganz anders aus. Schmerzen beim Stillen. Ein Baby, das nicht richtig andocken will. Milchstau, der plötzlich da ist und dir den Atem raubt. Zweifel, ob dein Baby genug bekommt. Und dann diese innere Stimme, die flüstert, dass du es vielleicht einfach nicht kannst.
Genauso ging es mir bei meinem ersten Sohn. Das Stillen wollte einfach nicht wirklich funktionieren. Nach wenigen Minuten schrie mein Sohn meine Brüste nur noch an und wollte sich nicht mehr anlegen lassen, obwohl der Hunger groß war. Meine Hebamme riet mir mit der Flasche zuzufüttern, weil mein Sohn zu viel Gewicht verlor in den ersten paar Tagen nach der Geburt. Die Nutzung der Flasche machte unsere Stillbeziehung allerdings nicht besser, sondern verschlechterte diese nur und bei jedem Anlegen schrie mein Sohn mich immer schneller und heftiger an. Und das ging über Wochen so. Mittlerweile bekam ich regelrecht Panik, wenn mein Sohn erste Anzeichen von Hunger zeigte. Das machte das ganze nicht wirklich besser. Ich fühlte mich als ob ich als Mutter versagt hätte, denn ich wollte unbedingt stillen und hatte Stillen vorher ziemlich stark romantisiert. Bei meinen Freundinnen klappte es doch auch immer, dachte ich, bis ich einmal genauer nachfragte und da erzählten mir fast alle, dass auch sie anfangs Probleme beim Stillen hatten. Irgendwann suchte ich mir Hilfe bei einer super lieben Stillberaterin und die gab mir wirklich hilfreiche Tipps.
In diesem Artikel findest du sieben Stilltipps, die sofort helfen können. Nicht mit Druck, nicht mit Perfektion, sondern mit Verständnis, Wissen und ganz viel Erlaubnis, deinen eigenen Weg zu gehen. Stillprobleme lösen beginnt oft nicht mit Technik, sondern mit dem Wissen, dass du nichts falsch machst. Tipps fürs Stillen, die dich stärken sollen, dir Sicherheit geben und dir zeigen, dass viele Herausforderungen lösbar sind, Schritt für Schritt, ganz ohne Stress.
Stilltipp 1: Richtig anlegen beim Stillen ist die Basis für alles
Wenn es einen Punkt gibt, der wirklich alles beeinflusst, dann ist es das richtige Anlegen beim Stillen. Schmerzen, wunde Brustwarzen, unruhiges Trinken, zu wenig Milchfluss oder sogar ein Milchstau haben sehr oft hier ihren Ursprung.
Richtig anlegen bedeutet nicht, dass dein Baby irgendwie an der Brust hängt. Es bedeutet, dass dein Baby einen großen Teil des Warzenhofs im Mund hat und nicht nur die Brustwarze selbst. Die Lippen sollten nach außen gestülpt sein, das Kinn berührt die Brust und die Nase ist frei. Das Baby liegt dabei Bauch an Bauch mit dir, der Kopf muss nicht gedreht werden.
Ein häufiger Fehler ist, dass Mamas versuchen, die Brust zum Baby zu bringen. Viel entspannter und effektiver ist es, dein Baby zur Brust zu führen. Warte den Moment ab, in dem dein Baby den Mund weit öffnet. Wirklich weit, wie ein kleines Gähnen. Erst dann ziehst du es sanft an dich heran. Wenn dein Baby den Mund nicht weit öffnet, dann zeige ihm in seinen Wachphasen deinen weit geöffneten Mund. Dein Baby spiegelt dieses Verhalten, denn Babys können ab Geburt deine Handlungen oder Emotionen nachahmen.
Wenn das Anlegen weh tut, dann ist das kein Zeichen von Durchhalten, sondern ein Signal. Löse das Vakuum vorsichtig mit deinem kleinen Finger und versuche es erneut. Stilltipps dürfen ehrlich sein und ehrlich heißt, Schmerzen sind kein Muss.
Stilltipp 2: Stillpositionen wechseln kann Wunder wirken
Viele Stillprobleme lösen sich nicht, weil man mehr macht, sondern weil man etwas anders macht. Stillpositionen sind ein riesiger Hebel, den viele unterschätzen.
Es gibt nicht die eine perfekte Position. Es gibt die Position, die für euch gerade funktioniert. Die Wiegehaltung ist bekannt, aber längst nicht immer die beste. Gerade bei Problemen wie Milchstau vermeiden oder einseitigen Schmerzen kann ein Positionswechsel enorm helfen.
Die Rückengriff Position eignet sich wunderbar für Neugeborene oder nach einem Kaiserschnitt, weil du mehr Kontrolle über den Kopf deines Babys hast. Die Seitenlage ist ein Geschenk in der Nacht und im Wochenbett, wenn alles wehtut und du einfach liegen möchtest. Der sogenannte Hoppe Reiter Griff kann helfen, wenn dein Baby sehr unruhig ist oder Probleme beim Andocken hat. Das Laid-back Stillen ist ebenfalls eine bequeme Position, bei der du zurückgelehnt dein Baby auf deinem Bauch liegen hast, dadurch werden die angeborenen Instinkte des Babys zum selbstständigen Andocken genutzt. Ein ergonomisches Stillkissen* kann dir helfen, dein Baby näher an die Brust zu bringen, ohne dich zu verkrampfen, und macht viele Stillpositionen deutlich angenehmer.
Indem dein Baby aus verschiedenen Winkeln trinkt, werden unterschiedliche Bereiche der Brust besser entleert. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn es darum geht, Milchstau zu vermeiden. Dein Körper ist kein starres System, er reagiert auf Bewegung und Abwechslung.
Stilltipp 3: Häufiges Stillen ist kein Zeichen von zu wenig Milch
Einer der größten Stillmythen überhaupt ist die Annahme, dass häufiges Stillen bedeutet, dass nicht genug Milch da ist. Das Gegenteil ist oft der Fall. Häufiges Stillen ist die Art deines Babys, deinem Körper mitzuteilen, dass mehr Milch gebraucht wird.
Gerade in den ersten Wochen gibt es Clusterphasen, in denen Babys gefühlt rund um die Uhr trinken wollen. Das ist anstrengend, keine Frage. Aber es ist kein Stillproblem, sondern ein ganz normaler Entwicklungsprozess.
Stilltipps dürfen hier entlasten, indem sie dir sagen, dass du nichts reparieren musst. Dein Baby reguliert deine Milchmenge. Jeder Stillvorgang ist eine Bestellung an deinen Körper. Je öfter bestellt wird, desto mehr wird produziert.
Tipps fürs Stillen in dieser Phase heißen vor allem, mach es dir bequem. Lass dich versorgen. Iss, trink, ruh dich aus. Dein Job ist Stillen, mehr nicht. Alles andere darf warten.
Stilltipp 4: Milchstau vermeiden beginnt mit deinem Körpergefühl
Milchstau kommt selten aus dem Nichts. Meist kündigt er sich leise an. Ein Spannungsgefühl. Eine empfindliche Stelle. Vielleicht leichte Schmerzen oder ein Ziehen. Wenn du lernst, diese Signale ernst zu nehmen, kannst du viel abfangen.
Milchstau vermeiden bedeutet, regelmäßig und effektiv zu stillen. Enge BHs, Druck von außen oder lange Stillpausen können den Milchfluss behindern. Achte darauf, dass deine Brust vor dem Stillen weich wird und sich danach leichter anfühlt. Ein gut sitzender Still BH ohne Bügel* kann helfen, Druckstellen zu vermeiden und deine Brust optimal zu unterstützen.
Wärme vor dem Stillen kann helfen, den Milchfluss anzuregen. Eine warme Dusche oder ein warmes Tuch wirken oft Wunder. Nach dem Stillen kann Kälte helfen, Entzündungen vorzubeugen. Spezielle Brustkompressen* sind dafür besonders praktisch.
Ein ganz wichtiger Stilltipp ist, Stress ernst zu nehmen. Stress beeinflusst den Milchspendereflex massiv. Dein Körper kann Milch produzieren, aber sie fließt nicht richtig, wenn du innerlich angespannt bist. Kleine Rituale, ruhige Musik oder bewusstes Atmen können hier mehr bewirken als jede Technik.
Stilltipp 5: Dein Baby ist kein Uhrwerk
Einer der größten Fehler beim Stillen ist der Versuch, nach festen Zeiten zu stillen. Babys sind keine Maschinen und Stillen ist kein Fahrplan. Dein Baby trinkt mal mehr, mal weniger, mal schnell, mal langsam.
Stillprobleme lösen sich oft, wenn man aufhört, gegen das Baby zu arbeiten und anfängt, mit ihm zu gehen. Stillen nach Bedarf ist nicht verwöhnen, sondern Biologie. Dein Baby weiß, was es braucht.
Achte weniger auf die Uhr und mehr auf dein Baby. Suchbewegungen, Schmatzen, unruhiges Verhalten sind frühe Hungerzeichen. Wenn du diese erkennst, wird das Stillen oft entspannter, weil dein Baby noch ruhig ist und nicht schon weint.
Tipps fürs Stillen heißen hier, Vertrauen aufzubauen. Vertrauen in dein Baby und in deinen Körper. Das ist ein Prozess, kein Schalter.
Stilltipp 6: Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche
Stillen darf gelernt werden. Niemand erwartet von dir, dass du alles intuitiv kannst. Hebammen, Stillberaterinnen, erfahrene Mamas oder auch ein Stillratgeber* können einen riesigen Unterschied machen.
Manchmal reicht ein kleiner Hinweis, eine minimale Korrektur beim Anlegen oder eine neue Stillposition, oder auch ganz viel Haut-an-Haut Kuscheln und plötzlich fühlt sich alles anders an. Stillprobleme lösen ist oft einfacher, wenn jemand von außen draufschaut.
Bitte warte nicht zu lange, wenn du merkst, dass du leidest. Schmerzen, Tränen und Verzweiflung sind keine Voraussetzung für gutes Stillen. Du darfst dir Unterstützung holen und du darfst auch entscheiden, welchen Weg du gehen möchtest.
Stilltipp 7: Dein Weg zählt mehr als jede Regel
Der wichtigste Stilltipp kommt zum Schluss, weil er alles überstrahlt. Dein Weg ist richtig. Es gibt kein Richtig oder Falsch, solange ihr beide euch damit wohlfühlt.
Manche stillen voll, manche teilweise, manche gar nicht. Manche lieben es, manche finden es schwierig. All das ist okay. Stillen ist ein Teil eurer Beziehung, aber nicht ihr Maßstab.
Wenn du stillst, darf es leicht sein. Wenn es schwer ist, darfst du etwas ändern. Wenn du aufhörst, darfst du das ohne Schuldgefühle tun. Dein Wert als Mama hängt nicht an deiner Brust.
Häufige Fragen rund ums Stillen
Wie lange dauert es, bis Stillprobleme besser werden?
Das ist sehr individuell. Viele Herausforderungen verbessern sich in den ersten Wochen, sobald sich dein Körper und dein Baby aufeinander eingespielt haben. Unterstützung kann diesen Prozess deutlich verkürzen.
Woran erkenne ich, ob mein Baby genug trinkt?
Nasse Windeln, regelmäßiger Stuhlgang und eine gute Gewichtsentwicklung sind die wichtigsten Zeichen. Dein Baby darf auch unruhig sein, ohne dass es ein Problem gibt.
Was hilft bei wunden Brustwarzen?
Meist liegt die Ursache im Anlegen. Zusätzlich können Muttermilch, Lufttrocknen, Silberhütchen* und hochwertige Lanolin Salben* helfen. Wichtig ist, die Ursache zu beheben und nicht nur die Symptome.
Kann Stress wirklich das Stillen beeinflussen?
Ja, sehr sogar. Stress kann den Milchspendereflex hemmen. Dein Körper braucht Sicherheit und Ruhe, um optimal zu funktionieren.
Ist es normal, dass Stillen am Anfang weh tut?
Ein leichtes Ziehen zu Beginn kann normal sein. Anhaltende oder starke Schmerzen sind es nicht und sollten abgeklärt werden.
Fazit: Stilltipps sollen stärken, nicht verunsichern
Stillen ist kein Wettbewerb und kein Beweis. Es ist eine Beziehung zwischen dir und deinem Baby, die wachsen darf. Mit Geduld. Mit Wissen. Mit Mitgefühl für dich selbst.
Diese sieben Stilltipps sollen dir helfen, Vertrauen zu fassen, Stillprobleme zu lösen und deinen eigenen Weg zu finden. Du darfst dir Zeit nehmen. Du darfst Hilfe annehmen. Und du darfst stolz auf dich sein, egal wie dein Weg aussieht.
Wenn du gerade mitten im Stillchaos steckst, dann lies diesen Satz noch einmal. Du machst das gut. Wirklich. Und du bist nicht allein. 💛
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