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So bereitest du dich auf deine Geburt vor, ohne dich selbst zu verlieren
Es gibt diesen Moment in der Schwangerschaft, der kommt oft leise und schleicht sich irgendwo zwischen der dritten To do Liste für die Kliniktasche und dem fünften Instagram Reel über perfekte Wassergeburten ein. Plötzlich merkst du, dass du innerlich immer wieder um dieselbe Frage kreist. Wie soll meine Geburt eigentlich ablaufen. Und noch wichtiger. Was brauche ich wirklich, damit ich mich sicher fühle.
Genau hier beginnt der Gedanke an einen Geburtsplan. Und gleichzeitig beginnt bei vielen auch der Druck. Weil ein Geburtsplan plötzlich wie eine Art Masterplan wirkt. Als müsste man jetzt festlegen, wie jede einzelne Minute der Geburt ablaufen soll. Als gäbe es ein richtig oder falsch. Als dürfe man sich nicht umentscheiden. Ich habe mich bei meiner ersten Schwangerschaft richtig überfordert gefühlt, als mir mein Chiropraktiker den Tipp gegeben hat, dass ich mir vorher unbedingt einen Geburtsplan machen soll und mir vorher darüber Gedanken machen sollte, ob ich eine PDA möchte, in welche Position ich gebäre und wie meine Begleitung mich unterstützen kann.
Und genau deshalb habe ich diesen Geburtsplan erstellt, damit du dich nicht überfordert fühlen musst. Nicht um dir den perfekten Geburtsplan zu versprechen. Sondern um dir zu zeigen, wie du einen realistischen Geburtsplan erstellst, der dich stärkt statt einengt. Einen Geburtsplan, der deine Wünsche sichtbar macht, ohne dass du dich an sie kettest. Einen Geburtsplan, der dir hilft, dich auf deine Geburt vorzubereiten, egal ob sie ruhig beginnt, plötzlich losgeht, medizinische Unterstützung braucht oder ganz anders verläuft als gedacht. Nimm dir ruhig viel Zeit dich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sprich mit deiner Begleitperson für den Kreißsaal über deine Wünsche, Bedürfnisse und auch Ängste und wie sie dich unterstützen kann.
Was ein Geburtsplan wirklich ist und was er nicht ist
Ein Geburtsplan ist keine Garantie. Kein Vertrag. Keine Bestellung beim Universum. Er ist auch keine Liste von Forderungen, die du abarbeiten musst, um eine gute Geburt zu haben.
Ein Geburtsplan ist in Wahrheit etwas viel Sanfteres. Er ist eine Kommunikationshilfe. Eine Orientierung. Ein Ausdruck deiner Bedürfnisse in einer Situation, in der du vielleicht nicht jederzeit klar sprechen kannst. Er hilft dem Geburtsteam zu verstehen, wer du bist, was dir wichtig ist und wie sie dich am besten unterstützen können.
Und genauso wichtig. Ein guter Geburtsplan lässt Platz für Veränderung. Für Umwege. Für Entscheidungen im Moment. Für medizinische Maßnahmen, wenn sie notwendig werden. Für ein Loslassen, ohne dass du das Gefühl hast zu scheitern.
Wenn du das im Hinterkopf behältst, wird der Geburtsplan plötzlich nicht mehr schwer. Sondern hilfreich.
Warum ein Geburtsplan gerade bei der Klinikgeburt sinnvoll ist
Viele Schwangere denken, ein Geburtsplan sei nur etwas für Hausgeburten oder Geburtshäuser. Dabei ist er gerade bei einer Klinikgeburt unglaublich wertvoll.
In der Klinik wechseln Schichten. Hebammen sehen dich vielleicht zum ersten Mal, wenn du schon mitten in den Wehen bist. Ärztinnen und Ärzte kennen deine Geschichte nicht automatisch. Dein Geburtsplan kann hier eine leise Stimme für dich sein, wenn du gerade keine Worte hast.
Er zeigt, dass du dich mit deiner Geburt vorbereitet hast. Dass du weißt, was dir wichtig ist. Und dass du offen für Zusammenarbeit bist. Denn ein realistischer Geburtsplan schließt medizinische Maßnahmen nicht aus. Er ordnet sie ein.
Wie du deinen Geburtsplan aufbaust ohne dich zu überfordern
Du musst keinen Roman schreiben. Eine Seite reicht völlig. Klar strukturiert. Ehrlich. Persönlich.
Geburtsort
Beginne mit dem Offensichtlichen. Wo möchtest du gebären.
Zum Beispiel in der Klinik deiner Wahl, im Geburtshaus oder geplant zu Hause. Wenn du eine Klinikgeburt planst, kannst du hier auch anmerken, ob du bereits ein Vorgespräch hattest oder bestimmte Abläufe kennst.
Du kannst auch Wünsche äußern wie ein Einzelkreißsaal, sofern möglich, oder dass du dich über jede Veränderung im Ablauf informiert fühlen möchtest.
Geburtsteam
Wer soll bei deiner Geburt dabei sein.
Deine Begleitperson oder mehrere. Vielleicht dein Partner, deine Partnerin, eine Freundin, eine Doula. Schreibe auf, wer für dich eine wichtige Rolle spielt und wie diese Person dich unterstützen soll.
Zum Beispiel, dass deine Begleitperson deine Hand hält, Entscheidungen mit dir bespricht oder auch für dich spricht, wenn du dich zurückziehen möchtest.
Hier kannst du auch notieren, ob du eine bestimmte Haltung vom Team brauchst. Ruhige Erklärungen. Wenig Smalltalk. Klare Kommunikation.
Geburtsbeginn
Wie stellst du dir den Beginn deiner Geburt vor.
Möchtest du so lange wie möglich zu Hause bleiben, wenn es medizinisch unbedenklich ist. Möchtest du dich bei Wehen bewegen, duschen, essen oder trinken. Schreib ruhig dazu, was dir Sicherheit gibt.
Auch der Satz, dass du dir wünschst, nicht unnötig früh untersucht zu werden, kann hier Platz finden, wenn das deinem Bedürfnis entspricht.
Wenn die Geburt beginnt brauche ich…
Dieser Punkt ist unglaublich wichtig und wird oft vergessen.
Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen, wenn es losgeht.
Vielleicht Ruhe. Gedimmtes Licht. Leise Stimmen. Vielleicht Musik über Kopfhörer. Vielleicht das Gefühl, ernst genommen zu werden, auch wenn du unsicher bist.
Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind deine Bedürfnisse. Und sie dürfen aufgeschrieben werden.
Bei Aufnahme im Krankenhaus
Viele Frauen empfinden die Aufnahme als besonders stressig. Hier kommen Fragen, Formulare, Untersuchungen.
Du kannst festhalten, dass du dir Zeit wünschst. Dass dir jeder Schritt erklärt wird. Dass Untersuchungen nur nach deinem Einverständnis stattfinden sollen, sofern es die Situation erlaubt.
Allein diese Klarheit kann den Start in die Geburt ruhiger machen.
Im Geburtsraum
Hier darf es konkret werden.
Möchtest du dich frei bewegen. Möchtest du verschiedene Geburtspositionen ausprobieren. Möchtest du nicht dauerhaft am CTG hängen, wenn es medizinisch nicht notwendig ist.
Du kannst auch festhalten, dass du dich selbst spüren möchtest und Anweisungen nur dann wünschst, wenn sie wirklich nötig sind.
Entspannungstechniken
Was hilft dir, loszulassen.
Atemtechniken. Visualisierungen. Massage. Wärme. Wasser. Musik. Düfte, sofern erlaubt.
Vielleicht hast du in der Schwangerschaft einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht oder mit Hypnobirthing* gearbeitet. Schreib auf, was dir vertraut ist. Falls du noch keinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht hast, kann ich dir den Online-Geburtsvorbereitungskurs* von Clever Mom von Herzen empfehlen, er ist online und du kannst ihn ganz in deinem Tempo machen.
Während der Geburt möchte ich…
Dieser Punkt darf ganz persönlich sein.
Vielleicht möchtest du ermutigt werden. Vielleicht möchtest du möglichst wenig Kommentare. Vielleicht möchtest du, dass man dich an deine Stärke erinnert, wenn es schwer wird.
Hier geht es nicht um Technik, sondern um Gefühl.
Atmosphäre und Zeit
Möchtest du eine ruhige Atmosphäre. Gedimmtes Licht. Wenig Personen im Raum. Keine Hektik.
Du kannst auch festhalten, dass du dir Zeit wünschst, solange es medizinisch vertretbar ist. Dass Entscheidungen erklärt und nicht über deinen Kopf hinweg getroffen werden.
Medizinische Maßnahmen wie PDA oder Kaiserschnitt
Ein realistischer Geburtsplan schließt medizinische Maßnahmen nicht aus. Im Gegenteil.
Du kannst klar formulieren, wie du dazu stehst. Zum Beispiel, dass du offen für eine PDA bist, wenn du sie brauchst, oder dass du sie erst nach bestimmten Alternativen in Betracht ziehen möchtest.
Auch zum Thema Kaiserschnitt kannst du deine Wünsche äußern. Zum Beispiel, dass du im Fall eines Kaiserschnitts, wenn möglich, dein Baby direkt sehen möchtest, dass dein Partner dabei ist oder dass Bonding auch im OP für dich wichtig ist.
Falls Interventionen gemacht werden müssen
Dieser Punkt ist besonders kraftvoll.
Du kannst festhalten, dass du dir wünschst, über jede Intervention informiert zu werden. Dass dir Alternativen erklärt werden. Dass du Fragen stellen darfst.
Das gibt dir auch dann Selbstbestimmung, wenn der Geburtsverlauf anders wird als geplant.
Ich fordere ein…
Das klingt stark. Und das darf es auch.
Hier kannst du festhalten, dass du Respekt, klare Kommunikation und dein Einverständnis einforderst. Dass du ernst genommen werden möchtest. Dass du dich frei bewegen darfst und deine Geburtsposition frei wählen darfst.
Ich lehne ab…
Auch das darf sein.
Vielleicht möchtest du bestimmte Maßnahmen nur im Notfall, z.B. kein Dauer-CTG, keine ständigen vaginalen Untersuchungen, etc. Vielleicht möchtest du keine routinemäßigen Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit.
Wichtig ist, dass du auch hier offen bleibst für Situationen, in denen sich Dinge ändern müssen.
Baby, Nabelschnur und Plazenta
Nach der Geburt ist vor dem Anfang.
Du kannst festhalten, ob du dir direktes Bonding wünschst. Ob die Nabelschnur erst später durchtrennt werden soll. Ob dein Partner das übernehmen soll.
Auch zum Thema Plazenta kannst du Wünsche äußern, zum Beispiel ob du sie sehen möchtest oder ob sie dir ausgehändigt werden soll, sofern das in deiner Klinik möglich ist.
Nach der Geburt
Wie soll es weitergehen.
Ruhe. Zeit zum Kennenlernen. Stillen oder Fläschchen nach deinem Wunsch. Wenig Besucher. Unterstützung durch das Personal.
Auch das gehört in den Geburtsplan.
Rolle der Begleitperson
Was erwartest du von deiner Begleitperson.
Soll sie dich schützen. Für dich sprechen. Dich erinnern zu trinken. Dich berühren oder eher Abstand halten.
Das vorher aufzuschreiben und zu besprechen kann unglaublich verbindend sein.
Mentale und emotionale Bedürfnisse
Dieser Punkt ist vielleicht der wichtigste.
Wie geht es dir, wenn du Angst hast. Wenn du zweifelst. Wenn es überwältigend wird. Lies dir hierzu gerne meinen Blogbeitrag über „Angst vor der Geburt“ durch.
Du kannst hier festhalten, dass du Zuspruch brauchst, Geduld, Verständnis. Dass deine Gefühle ernst genommen werden sollen.
Warum dein Geburtsplan dir auch dann hilft, wenn alles anders kommt
Vielleicht liest du das alles und denkst. Und was, wenn nichts davon eintritt.
Dann hat dein Geburtsplan trotzdem seinen Zweck erfüllt. Weil du dich mit dir selbst beschäftigt hast. Weil du deine Bedürfnisse kennst. Weil du vorbereitet bist, Entscheidungen bewusst zu treffen.
Und genau das ist Geburt vorbereiten.
Nicht Kontrolle. Sondern Vertrauen in dich.
Kleine Hilfe aus der Praxis
Viele Frauen empfinden es als sehr entlastend, ihren Geburtsplan nicht komplett selbst zu formulieren, sondern mit einer strukturierten Vorlage zu arbeiten, die alle wichtigen Punkte abfragt und trotzdem Raum für eigene Worte lässt. Eine solche Geburtsplan Vorlage habe ich dir erstellt, diese kannst du ausdrucken und auch mit ins Vorgespräch in der Klinik nehmen. Das spart Zeit, Nerven und sorgt dafür, dass du nichts Wichtiges vergisst. Ich hätte mir eine solche Vorlage damals wirklich gewünscht.
Deine Geburtsplan Vorlage zum Download
Fazit
Ein Geburtsplan ist kein starres Konzept. Er ist ein liebevoller Brief an dich selbst und an die Menschen, die dich begleiten. Er sagt. Das bin ich. Das brauche ich. Und ich bin bereit, mich auf meine Geburt einzulassen, so wie sie kommt.
Du darfst Wünsche haben. Du darfst offen bleiben. Du darfst dich vorbereiten, ohne alles festzulegen.
Und genau das ist realistisch. Genau das ist stark.
Wenn du magst, kannst du dir als nächsten Schritt deinen Geburtsplan in Ruhe aufschreiben, vielleicht an mehreren Abenden, immer wieder ergänzt und verändert. Und irgendwann wirst du merken. Er fühlt sich nicht mehr wie Druck an. Sondern wie Rückhalt.
P.S. Dein Geburtsplan muss niemandem gefallen. Er muss sich für dich richtig anfühlen. 💛
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