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Ich erinnere mich noch genau daran. Hochsommer, gefühlte 38 Grad, ich im siebten Monat, Beine wie Elefanten, Gesicht rot wie eine reife Tomate und mein Mann fragt mich allen Ernstes: „Willst du grillen gehen?“ Ich hab ihn so angeschaut, dass er die Grillzange direkt wieder weggelegt hat.
Schwanger im Sommer sein klingt erstmal nach Sommerkleid, Babybauch-Fotos und hübschen Erinnerungen. Und ja, das gibt es auch. Aber die andere Seite kennen wir alle: Du schwitzt an Stellen, von denen du nicht mal wusstest, dass sie existieren. Deine Füße sehen aus wie Brotlaibe. Der Schlaf? Fehlanzeige. Und das Gefühl, ständig kurz vor dem Kollaps zu sein, begleitet dich von morgens bis abends.
Du bist nicht allein damit. Die Hitze in der Schwangerschaft ist eine echte Herausforderung, und wer dir sagt „Genieß die schöne Zeit einfach!“, der hat offensichtlich noch nie hochschwanger in einer Dachgeschosswohnung geschlafen.
Warum Hitze in der Schwangerschaft so viel schlimmer trifft
Bevor wir zu den Tipps kommen, kurz ein kleiner WTF-Moment für dich: Dein Körper produziert in der Schwangerschaft rund 50 Prozent mehr Blut als sonst. Fünfzig. Prozent. Mehr. Das bedeutet, dein Herz arbeitet auf Hochtouren, dein Kreislauf ist dauerhaft im Ausnahmezustand und deine Körpertemperatur liegt sowieso schon etwas höher als normal.
Wenn jetzt noch sommerliche Temperaturen dazukommen, ist das für deinen Körper ungefähr so, als würdest du gleichzeitig Sport machen, in einer Sauna sitzen und nebenbei ein ganzes kleines Menschlein aufbauen. Kein Wunder, dass du dich fühlst wie ein heißes, müdes Häufchen Elend.
Die gute Nachricht? Mit den richtigen Tipps gegen Hitze in der Schwangerschaft kannst du den Sommer tatsächlich genießen. Zumindest teilweise. Und zumindest solange der Kühlschrank in Reichweite ist.
Tipp 1: Trinken, trinken, trinken, aber bitte richtig
Ich weiß, du hörst das überall. „Trink genug!“ Danke, hilfreicher Hinweis. Aber ich meine das wirklich ernst, und ich meine vor allem: trink es richtig.
In der Sommerschwangerschaft brauchst du mindestens 2,5 bis 3 Liter täglich, an heißen Tagen sogar mehr. Wasser ist die beste Wahl, aber wenn dir das zu langweilig wird, sind ungesüßte Kräutertees, stark verdünnte Fruchtsäfte oder selbst gemachtes Infused Water mit Minze, Gurke, Erdbeeren, Himbeeren oder Zitrone wunderbare Alternativen.
Was viele nicht wissen: Zu wenig trinken fördert Wassereinlagerungen. Ja, das klingt paradox. Aber dein Körper hortet Wasser, wenn er merkt, dass zu wenig nachkommt. Also trink regelmäßig, auch wenn du keinen Durst spürst, denn das Durstgefühl in der Schwangerschaft ist oft verzögert.
Eine gute Trinkflasche*, die du immer dabei hast, ist hier wirklich Gold wert. Eine mit Zeitmarkierungen oder Erinnerungsfunktion hilft dir, den Überblick zu behalten. Ich hätte damals für eine anständige isolierende Flasche, die das Wasser auch nach zwei Stunden noch kalt hält, alles gegeben.
Tipp 2: Der richtige Umgang mit Schwellungen und Wassereinlagerungen
Kennst du das? Morgens passt der Ring noch. Abends steckt er fest wie angewachsen. Willkommen in der Sommerschwangerschaft.
Schwellungen in den Beinen, Füßen und Händen sind bei Hitze fast unvermeidlich, weil sich die Blutgefäße weiten und Flüssigkeit ins Gewebe tritt. Das ist unangenehm, aber in den meisten Fällen völlig normal. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die wirklich helfen:
Leg deine Beine so oft es geht hoch. Beine hoch ist jetzt dein Lieblingshobby. Schon 20 Minuten mit erhöhten Beinen können spürbar helfen.
Kompressionsstrümpfe* sind in der Schwangerschaft generell empfehlenswert, bei Hitze und langen Sitz- oder Stehphasen erst recht. Ich weiß, sie klingen nicht nach Sommerfeeling, aber es gibt mittlerweile wirklich luftige Varianten, die man kaum sieht. Dein Kreislauf wird es dir danken.
Verzichte so gut es geht auf Salz, denn Salz bindet Wasser im Gewebe. Das bedeutet nicht, dass du dein Essen gar nicht mehr würzen darfst, aber stark gesalzene Snacks, Fertigprodukte und Fast Food sind bei Hitze doppelt kontraproduktiv.
Kalte Wasserschalen oder ein Fußbad* am Abend sind außerdem kleine Wunder für geschwollene Füße. Einfach, günstig, effektiv.
Tipp: Du leidest besonders stark unter Schwellungen und Wassereinlagerungen? Dann lies unbedingt meinen Artikel „Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft“ dazu, da gehe ich noch viel tiefer rein und zeige dir, was wirklich hilft.
Tipp 3: Sonnencreme ist in der Schwangerschaft kein optionales Extra
Jetzt kommt mein Lieblingsthema, und gleichzeitig das Thema, das die meisten unterschätzen: Sonnenschutz.
Deine Haut ist in der Schwangerschaft hormonell bedingt empfindlicher als sonst. Das Risiko für Pigmentflecken, die sogenannte Schwangerschaftsmaske oder Melasma, ist deutlich erhöht. Gleichzeitig reizen starke UV-Strahlen deinen ohnehin schon strapazierten Kreislauf zusätzlich.
Das bedeutet: Sonnencreme* ist Pflicht, täglich, auch wenn es bewölkt ist, auch wenn du nur kurz rausgehst.
Wichtig dabei: Nicht jede Sonnencreme ist in der Schwangerschaft empfehlenswert. Chemische Filter wie Oxybenzon oder Octinoxat stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Greif stattdessen lieber zu mineralischen Sonnencremes mit Zinkoxid oder Titandioxid als Wirkstoff. Die sind auch für Babys und Kinder geeignet und damit in der Schwangerschaft die erste Wahl.
Tipp: Ich habe dazu einen eigenen ausführlichen Artikel geschrieben, in dem ich die besten Sonnencremes für die Schwangerschaft vorstelle und erkläre, worauf du bei der Auswahl unbedingt achten solltest. Schau dort unbedingt rein, bevor du das nächste Mal zur Sonnenmilch kaufst!
Tipp 4: Die richtige Kleidung kann alles verändern
Ich hab damals den Fehler gemacht, zu lange an meinen normalen Klamotten festzuhalten. „Ich komme da schon noch rein.“ Spoiler: Ich kam nicht mehr rein. Und selbst wenn, wäre es eine Qual gewesen.
Die richtige Kleidung in der Sommerschwangerschaft ist kein Luxus. Sie ist Überlebensstrategie.
Worauf es ankommt: Natürliche Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Bambus sind synthetischen Stoffen weit überlegen. Sie lassen die Haut atmen, saugen Schweiß auf und erzeugen keine unangenehme Wärme unter dem Bauch. Weite, fließende Schnitte sind nicht nur bequemer, sie lassen auch Luft zirkulieren. Dunkle Farben heizen sich in der Sonne stärker auf. Helle Töne, Weiß, Creme, Pastellfarben, sind im Sommer klar die bessere Wahl.
Tipp: Falls du auf der Suche nach konkreten Outfit-Ideen für die Sommerschwangerschaft bist, hab ich da genau das Richtige für dich. In meinem Artikel über „Sommeroutfits in der Schwangerschaft“ findest du Looks, die wirklich funktionieren, und zwar optisch und gefühlt.
Tipp 5: Abkühlung, die wirklich hilft und was du besser lässt
Kalte Dusche drüber und gut? Nicht ganz.
Erstens: Zu kaltes Wasser kann deinen Kreislauf, der sowieso schon auf 180 ist, in eine unangenehme Achterbahn schicken. Lauwarm bis leicht kühl ist die bessere Wahl, besonders wenn du ohnehin zu Kreislaufproblemen neigst.
Diese Dinge helfen wirklich: Ein feuchtes Tuch oder ein Kühlkissen* im Nacken ist erstaunlich effektiv, weil dort viele große Blutgefäße nah an der Oberfläche liegen. Wenn du den Nacken kühlst, kühlt gefühlt der ganze Körper ab.
Ein Cooling-Spray* für unterwegs ist ein echter Gamechanger. Einfach kurz draufsprühen, sofort Erleichterung.
Ein batteriebetriebener Handventilator* klingt wie ein Witz, ist er aber nicht. Diese kleinen Dinger sind im Sommer mein heiliger Ernst.
Tipp 6: Ernährung im Sommer, leicht, kühlend, nährstoffreich
Dein Körper braucht in der Schwangerschaft mehr von allem. Mehr Eisen, mehr Folsäure, mehr Magnesium, mehr Kalorien. Und trotzdem hat man bei Hitze oft das Gefühl, gar nichts essen zu wollen.
Das Geheimnis: Iss häufiger, aber weniger auf einmal. Große, schwere Mahlzeiten kosten deinen Körper enorm viel Energie für die Verdauung, was zusätzliche Wärme erzeugt. Lieber fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen als drei Riesen-Portionen.
Besonders gut geeignet im Sommer sind wasserreiche Lebensmittel wie Gurke, Wassermelone, Erdbeeren, Tomaten und Paprika. Sie versorgen dich gleichzeitig mit Flüssigkeit, Vitaminen und Mineralstoffen.
Magnesium ist übrigens ein absoluter Allrounder in der Schwangerschaft: Es hilft gegen Krämpfe, unterstützt den Kreislauf und kann sogar bei Schlafproblemen helfen. Gute natürliche Quellen sind Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und dunkle Schokolade. Zusätzlich kann ein Magnesium-Supplement sinnvoll sein, besprich das aber am besten mit deiner Hebamme oder deinem Arzt.
Smoothies sind im Sommer meine absolute Geheimwaffe: Gefrorene Früchte, ein wenig Spinat, Kokoswasser, fertig. Kalt, nährstoffreich, schnell gemacht und irgendwie das einzige, was bei 35 Grad wirklich Spaß macht. Ich habe für dich 33 super leckere und nährstoffreiche Smoothie-Rezepte erstellt.
Tipp 7: Schlaf und Erholung, so überlebst du die Nächte
Der Schlaf. Oh, der Schlaf. Wer schwanger im Sommer schläft, kennt das Ritual: Fenster auf, zu heiß. Fenster zu, keine Luft. Ventilator an, zu laut. Ventilator aus, wieder zu heiß. Repeat bis 4 Uhr morgens.
Ein paar Dinge haben mir wirklich geholfen: Bettwäsche aus Leinen* oder Baumwallsatin* speichert Wärme weniger als synthetische Materialien. Klingt klein, macht aber einen spürbaren Unterschied. Es gibt auch extra kühlendende Decken*, die Körperwärme absorbieren.
Ein Kissen* zwischen die Knie und eines unter den Bauch entlastet die Wirbelsäule und kann die Schlafqualität erheblich verbessern. Spezielle Schwangerschaftskissen* sind hier eine echte Investition wert, die sich auch in den ersten Wochen nach der Geburt noch auszahlt.
Schlaf tagsüber, wenn du kannst. Ich weiß, das klingt nach einem unmöglichen Luxus, aber dein Körper braucht diese Erholung. Auch eine kurze Mittagsruhe von 20 bis 30 Minuten wirkt Wunder.
Kühle den Raum, bevor du ins Bett gehst: Fenster auf, wenn die Außentemperatur sinkt (meist nach 22 Uhr), gut durchlüften, dann schließen und die kühle Luft einschließen. Das ist so simpel und trotzdem vergessen es so viele.
FAQ: Die häufigsten Fragen rund um Tipps gegen Hitze in der Schwangerschaft
Ist es gefährlich, schwanger im Sommer zu sein?
Grundsätzlich nein, aber Hitze stellt deinen Körper vor größere Herausforderungen als sonst. Echte Warnsignale, bei denen du sofort zur Ärztin oder in die Klinik solltest: starkes Herzrasen, Schwindel oder Ohnmachtsgefühle, plötzliche starke Schwellungen, Kopfschmerzen, die nicht weggehen, oder eine Körpertemperatur über 38 Grad. Hör auf deinen Körper, er weiß meistens, was er braucht.
Ab wann spürt man die Hitze in der Schwangerschaft besonders stark?
Ab dem zweiten Trimester wird es für die meisten deutlich intensiver, weil das Blutvolumen weiter steigt und der Bauch zunehmend Druck auf den Kreislauf ausübt. Im dritten Trimester, also ab Monat sieben, ist die Hitzebelastung dann oft am stärksten.
Kann ich in der Schwangerschaft ins Freibad oder an den See?
Ja, absolut! Wasser ist dein bester Freund im Sommer. Schwimmen ist eine der besten Bewegungsformen in der Schwangerschaft, weil es die Gelenke schont und gleichzeitig den Kreislauf stabilisiert. Achte nur auf ausreichend Sonnenschutz, meide die Mittagshitze und hör auf, wenn du dich erschöpft oder unwohl fühlst.
Was tun bei Kreislaufproblemen im Sommer?
Erstens: Nicht abrupt aufstehen. Langsam bewegen, besonders morgens. Regelmäßig trinken, auch wenn du keinen Durst hast. Mahlzeiten nicht auslassen. Kompressionsstrümpfe tragen. Bei häufigen Kreislaufproblemen unbedingt mit deiner Hebamme oder Ärztin sprechen.
Muss ich bei Hitze mehr essen?
Nicht unbedingt mehr, aber anders. Leichte, häufige Mahlzeiten sind besser als große, schwere. Frisches Obst und Gemüse, viel Wasser, wenig Salz und verarbeitete Lebensmittel. Dein Körper dankt es dir.
Fazit: Schwanger im Sommer ist kein Gegner, den du besiegen musst
Du musst den Sommer nicht lieben. Du musst ihn nicht mit strahlendem Lächeln begrüßen oder so tun, als wäre alles einfach, nur weil es doch so schön ist draußen. Schwanger im Sommer zu sein ist anstrengend, und du darfst das so nennen.
Aber du bist auch nicht hilflos. Mit den richtigen Tipps gegen Hitze in der Schwangerschaft kannst du dir deinen Alltag so viel leichter machen: viel trinken, die Füße hochlegen, leichte Kleidung anziehen, deinen Körper mit guten Lebensmitteln versorgen, und ab und zu einfach mal in einer kühlen Wanne liegen und gar nichts tun. Das ist nämlich auch Selbstfürsorge.
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