Grenzen im Wochenbett

Die ersten Stunden nach der Geburt

Was wirklich passiert und was du darüber wissen solltest.

Die Geburt ist vorbei und trotzdem fühlt es sich für viele Frauen nicht so an, als wäre jetzt plötzlich alles ruhig, klar und sortiert. Die ersten Stunden nach der Geburt sind intensiv, emotional, überwältigend und manchmal auch leise chaotisch. Dein Körper arbeitet weiter, dein Baby kommt langsam im Leben an und du selbst versuchst, innerlich hinterherzukommen. Genau über diese Phase wird erstaunlich wenig ehrlich gesprochen, obwohl sie den Start ins Wochenbett stark prägt.

In diesem Artikel nehme ich dich mit durch die ersten Stunden nach der Geburt. Ich erkläre dir Schritt für Schritt, was im Kreißsaal passiert, was es mit der Nachgeburt auf sich hat, wie Bonding entstehen kann, wie der Stillbeginn aussehen darf, was nach einem Kaiserschnitt anders ist und warum diese ersten Stunden so viel Einfluss auf deinen Wochenbett Start haben.

Die ersten Minuten nach der Geburt

Warum jetzt niemand einfach aufhört zu beobachten.

In dem Moment, in dem dein Baby geboren wird, endet die Geburt nicht abrupt. Für dein Team im Kreißsaal beginnt jetzt eine neue Phase. Dein Baby wird dir meist direkt auf die nackte Brust gelegt, während Hebamme und Ärztin oder Arzt gleichzeitig deinen Zustand im Blick behalten.

Dein Baby beginnt selbstständig zu atmen, passt sich an Licht und Geräusche an und spürt zum ersten Mal deine Haut. Gleichzeitig zieht sich deine Gebärmutter weiter zusammen, um die Blutung zu regulieren und die Nachgeburt vorzubereiten. Viele Frauen nehmen diese körperlichen Prozesse kaum bewusst wahr, weil sie emotional vollkommen bei ihrem Baby sind oder sich wie in Watte gepackt fühlen.

Zittern, Frieren, Tränen oder ein Gefühl von Unwirklichkeit sind in diesen ersten Stunden nach der Geburt vollkommen normal. Dein Körper schüttet eine enorme Menge Hormone aus und stellt gerade von Höchstleistung auf Regeneration um.

Bonding im Kreißsaal

Nähe ohne Druck.

Bonding bedeutet nicht, dass du sofort ein überwältigendes Glücksgefühl spüren musst. Bonding bedeutet Nähe, Zeit und Kontakt. Dein Baby erkennt deinen Geruch, deine Stimme und deinen Herzschlag, während dein Körper Oxytocin ausschüttet. Dieses Hormon unterstützt die Bindung und hilft gleichzeitig deiner Gebärmutter, sich zusammenzuziehen.

Der Hautkontakt direkt nach der Geburt hilft deinem Baby, ruhiger zu atmen, die Körpertemperatur zu stabilisieren und sich sicher zu fühlen. Für dich kann dieser Moment helfen, emotional langsam anzukommen.

Wenn du merkst, dass du dich innerlich noch distanziert fühlst oder einfach nur müde bist, ist das kein Zeichen von fehlender Bindung. Bonding ist kein einzelner Moment, sondern ein Prozess, der sich über Stunden, Tage und Wochen entwickeln darf.

Die Nachgeburt

Ein wichtiger Teil, über den kaum gesprochen wird

Die Nachgeburt besteht aus der Plazenta und den Eihäuten und wird meist innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt geboren. Auch wenn sie sich unspektakulär anfühlt, ist sie medizinisch sehr wichtig. Erst wenn die Plazenta vollständig geboren ist, kann sich deine Gebärmutter richtig zusammenziehen.

Du kannst noch einmal Wehen spüren, deutlich schwächer als zuvor, aber spürbar. Die Hebamme kontrolliert sorgfältig, ob die Nachgeburt vollständig ist und ob deine Blutung im normalen Rahmen bleibt. Erst wenn die Plazenta vollständig geboren wurde, ist die Geburt beendet. 

Auch hier gilt, dein Körper arbeitet noch einmal intensiv und darf dabei unterstützt werden, vor allem durch Ruhe, Wärme und Nähe zu deinem Baby.

Baby direkt nach der Geburt

Zwischen Ankommen und ersten Untersuchungen

In den ersten Stunden nach der Geburt werden bei deinem Baby verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Viele Kliniken achten inzwischen darauf, diese Dinge nicht unnötig zu unterbrechen, wenn es deinem Baby gut geht.

Du darfst Wünsche äußern, zum Beispiel dass Untersuchungen später stattfinden oder auf deiner Brust durchgeführt werden. Gerade in dieser sensiblen Phase ist es wichtig, dass du dich gehört fühlst.

Manche Babys sind nach der Geburt wach und aufmerksam, andere schlafen direkt ein. Beides ist normal. Viele Babys zeigen in dieser Zeit den natürlichen Brustkriechreflex, bei dem sie sich langsam Richtung Brust bewegen. Dieser Reflex kann den Stillbeginn unterstützen, muss aber nicht zwingend stattfinden.

Der Stillbeginn

Sanft, individuell und ohne Perfektionsdruck

Der Stillbeginn kann ganz unterschiedlich aussehen. Bei manchen klappt das erste Anlegen sofort reibungslos, fast wie von selbst. Andere brauchen etwas Unterstützung, Zeit oder mehrere Anläufe. Beides ist vollkommen normal.

Ich weiß noch sehr genau, wie das allererste Anlegen bei mir war. Es hat direkt funktioniert und ich war in diesem Moment so gerührt und glücklich, dass mir die Tränen gekommen sind. Dieses kleine Wesen an meiner Brust, dieser erste echte Kontakt, dieses Gefühl von Nähe und Verbundenheit, das war unglaublich intensiv und bleibt für immer im Herzen.

Aber genauso wichtig ist es mir, dir zu sagen, dass du dich nicht unter Druck setzen darfst, wenn es bei dir nicht sofort klappt. Stillen ist ein wirklich hochemotionales Thema. Da treffen körperliche Umstellung, Hormone, Erwartungen, Erschöpfung und ganz viel Gefühl aufeinander. Wenn dein Baby nicht direkt trinken möchte oder du unsicher bist, bedeutet das nicht, dass du etwas falsch machst.

In den ersten Stunden nach der Geburt produziert dein Körper Kolostrum, eine besonders nährstoffreiche Vormilch, die dein Baby schon in kleinen Mengen optimal versorgt. Stillen darf sich ungewohnt anfühlen, aber es sollte nicht stark schmerzen. Wenn du merkst, dass du Unterstützung brauchst, ist es absolut richtig, dir Hilfe zu holen, zum Beispiel von der Hebamme im Kreißsaal oder später auf der Wochenbettstation.

Und falls es beim Stillen holpert, du Schmerzen hast oder einfach verunsichert bist, dann lies gerne meinen Blogpost darüber, welche Tipps bei Stillproblemen wirklich helfen können. Du musst da nicht alleine durch und du darfst dir Unterstützung erlauben.

👉 Tipp: Ein hochwertiges Stillkissen* und ein bequemer Still-Pyjama* für die ersten Tage und Wochen war für mich der absolute Gamechanger.

Die ersten Stunden nach einem Kaiserschnitt

Ein anderer Start und trotzdem ein echter Anfang

Nach einem Kaiserschnitt erleben viele Frauen die ersten Stunden nach der Geburt anders. Du bist möglicherweise noch im OP oder Aufwachraum, fühlst dich benommen oder erschöpft. Trotzdem ist Bonding möglich, manchmal mit Unterstützung deines Partners oder des Personals.

Dein Körper hat eine große Operation hinter sich und braucht Zeit. Schmerzen, Zittern oder Übelkeit sind nicht ungewöhnlich. Dein Wochenbett beginnt trotzdem genau jetzt, auch wenn sich das emotional noch nicht so anfühlt.

Stillbeginn und Hautkontakt sind auch nach einem Kaiserschnitt möglich, manchmal zeitversetzt, manchmal in anderen Positionen. Wichtig ist, dass du dich nicht vergleichst und deinen eigenen Weg gehst.

Der Wechsel auf die Wochenbettstation

Wenn plötzlich alles schneller wird

Nach einiger Zeit wirst du vom Kreißsaal auf die Wochenbettstation verlegt. Viele Frauen empfinden diesen Moment als abrupt, weil der geschützte Raum des Kreißsaals endet und neue Eindrücke dazukommen.

Untersuchungen, Gespräche, Essen, Papierkram und mögliche Besuchsanfragen können schnell überfordernd wirken. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig es ist, das Wochenbett bereits im Vorfeld gut geplant zu haben. 

Wenn du merkst, dass dich diese vielen Eindrücke überfordern, hilft es enorm, wenn du dich schon vorher mit dem Thema Wochenbett vorbereiten beschäftigt hast, damit du jetzt weißt, was dir guttut und was du getrost abgeben darfst.

Wochenbett Start

Diese ersten Stunden setzen den Ton

Der Wochenbett Start beginnt nicht erst zu Hause, sondern genau in diesen ersten Stunden nach der Geburt. Dein Körper beginnt mit der Rückbildung, deine Hormone verändern sich rasant und dein Nervensystem verarbeitet das Erlebte.

Was du jetzt brauchst, ist Ruhe, Sicherheit und Schutz. Dazu gehört auch, bewusst mit dem Thema Besuch umzugehen, denn viele Frauen unterschätzen, wie anstrengend selbst gut gemeinte Besuche sein können.

Gerade in den ersten Stunden und Tagen ist es wichtig, dass du beim Thema Wochenbett Besuche und Grenzen setzen ganz klar bei dir bleibst und nur das zulässt, was dir wirklich guttut.

Diese Haltung darfst du dir erlauben, ohne dich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Häufige Fragen zu den ersten Stunden nach der Geburt

Was ist normal in den ersten Stunden nach der Geburt?
Müdigkeit, Zittern, starke Emotionen, Hunger oder auch ein Gefühl von Leere können vollkommen normal sein.

Wie lange bleibt man im Kreißsaal?
Das ist individuell und hängt von deinem Zustand und dem deines Babys ab.

Muss ich sofort stillen?
Nein. Stillen darf sich entwickeln und braucht keinen perfekten Start.

Was, wenn ich mich emotional überfordert fühle?
Bitte sprich das an. Unterstützung ist genau für diese Phase da.

Fazit

Du darfst langsam ankommen

Die ersten Stunden nach der Geburt sind kein Pflichtprogramm, sondern ein Übergang. Dein Körper, dein Baby und dein Herz brauchen Zeit. Du musst nichts leisten, nichts beweisen und nichts perfekt machen.

Alles, was zählt, ist, dass du dich ernst nimmst und dir erlaubst, in deinem Tempo anzukommen.

 

 

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